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Wojewodschaft Konin
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Wirtschaft in der Wojewodschaft Konin

Wojewodschaft Konin

Die Stadt Konin ist zugleich auch Hauptstadt der Wojewodschaft Konin, also Kreisstadt des Landkreises Konin, wenn man dies mit deutschen Städten vergleichen würde.

Die folgenden Texte stammt aus einer Informationsbroschüre aus dem Jahre 1995, sodass die wirtschaftlichen Zahlen heute nicht mehr aktuell sind. Sie spiegeln aber das wirtschaftliche Verhältnis auch heute noch wider.

Landkarte Wojewodschaft Konin

Landkarte Wojewodschaft Konin

Einen aktuellen Einblick bietet der nachfolgende Artikel. Posen liegt eine gute halbe Stunde Autofahrt westlich von Konin.

Polen in der EU

Polen in der EU

Gute Nachbarn unter dem Dach Europas

WAZ-Serie zur EU-Erweiterung von Uwe Knüpfer im März 2003

Ein Foto will Marek Borowski partout nicht aus dem Sinn. Er hat es im „Spiegel“ gesehen und seither immer wieder, wenn in der deutschen Presse Berichte über Polen erschienen: das Foto zeigt plattes, karges Land, einen Bauern, einen hölzernen Leiterwagen und ein ausgemergeltes Pferd. Borowski, durchaus heftig: „Dieser Bauer ist längst in Rente, der Leiterwagen ausgemustert, und das Pferd ist tot!“

Marek Borowski ist an sich ein ruhiger Mann. Er könnte, so wie er auftritt und sich kleidet, dem Vorstand einer deutschen Bank angehören oder EU-Kommissar in Brüssel sein. Er ist Marschall, Präsident, des Sejm, des polnischen Parlaments. Früher war Borowski Kommunist. Heute zählt er zu den führenden Kräften der Regierungspartei SLD (Bund der demokratischen Linken). Wäre Borowski Sozialdemokrat, dann einer vom Typ Neue Mitte. Er ist smart, flexibel, weltgewandt.

Die deutsche Presse ist Borowski nicht fremd. Deshalb ärgert er sich über dort immer wiederholte „Mythen“. Wie jenen von der rückständigen, subventionshungrigen polnischen Landwirtschaft. Zwar stimme es, dass polnische Bauernhöfe klein sind, im EU-Maßstab, und ja, jeder vierte Pole betätige sich als Bauer. Aber nur ein Bruchteil seiner Produkte sei für den freien Markt bestimmt. In Polen, erklärt Borowski geduldig, sei der eigene kleine Acker, was in Deutschland die Arbeitslosen- und Sozialhilfe ist. Deshalb dürfe die EU der polnischen Landwirtschaft keinesfalls ruckzuck ihre Regeln aufzwingen.

Außerhalb der brummenden Metropolen wie Warschau und Posen ist Arbeitslosigkeit die Regel, ein eigener Acker deshalb überlebensnotwendig. Selbst wer einen Job gefunden hat, schläft selten auf Rosen. Selbst bei Volkswagen nicht. VW ist Posens größter industrieller Arbeitgeber. Er wächst und wächst und wächst. Zurzeit montiert das Werk Posen rund 50000 Autos pro Jahr. Bald schon sollen es dreimal so viele sein; Transporter der neuen Generation und ein neuartiger Stadtlieferwagen. Es wird kräftig eingestellt. Die Mitarbeiterzahl verdoppelt sich gerade auf 5400. Hier, in Posen - Poznan -, steht sie in voller Blüte, Deutschlands stolze Automobilindustrie. Jetzt schon, vor Polens EU-Beitritt.

Das hat Gründe. Auf eine Stellenanzeige gehen bei Personalchef Uwe Horn rund 3000 Bewerbungen ein. Horn hat freie Auswahl. Der „Gesundheitsstand“ liege bei 97,2%. Kaum jemand feiert lange krank. „Je sicherer sich Menschen fühlen, um so leichter bleiben sie bei einem Schnupfen zu Hause.“ Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Kein deutsches Arbeitsgericht redet rein. In Posen lebt die gerühmte deutsche Arbeitsmoral.

Das VW-Tarifsystem in Posen entspreche dem deutschen, sagt Horn, nur das Lohnniveau liege um 80% unter dem in Deutschland. Immerhin, polnische Führungskräfte würden schon jetzt fast so gut bezahlt wie ihre Kollegen in Wolfsburg. Und was wird geschehen, wenn Polen vollwertiges EU-Mitglied ist? Horn ist sich sicher: „Dann werden wir hier in fünf bis zehn Jahren Westniveau erreichen.“

Posen war 123 Jahre lang preußisch. Preußens Baumeister und Künstler haben das architektonische Gesicht der Stadt und ihren Geist geprägt. Sie tun es noch heute. Oder heute wieder. Die prachtvollen Bürgerhäuser und das Renaissance-Rathaus am Marktplatz, Kirchen, Theater und der Kaiserpalast strahlen in frischem Glanz. Fremdenführer tun sich kein bisschen schwer damit, von Posens preußischer und deutscher Vergangenheit zu erzählen. Sie sind stolz darauf. Es ist auch ihre Vergangenheit.

Polen aus Poznan schimpfen gern über die Unzuverlässigkeit von Polen aus Warschau. Warschauern wiederum gelten Posener als polnische Preußen: steife, ernste Gesellen.

Die Posener Zeitung "Glos Wielkopolski" enthält regelmäßig eine Berlin-Seite, gefüllt vor allem mit Veranstaltungshinweisen. Für einen Wochenendausflug zum Konzertbesuch liegt Berlin näher als Warschau. Der Weg von Posen nach Warschau führt über Bydgoszcz. Bromberg. Stärker noch als in Posen sind hier und im nahen Thorn (Torun) polnische und deutsche Geschichte miteinander verwoben, auf positive und auf schreckliche Weise. Die Stadt wurde 1346 nach Magdeburger Recht gegründet, erlebte ihre erste Blüte unter polnischen Königen, ihre zweite unter Preußens Großem Friedrich - nach der ersten Polnischen Teilung 1772. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren 70% der Bromberger Deutsche.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bromberg wieder polnisch und für Deutsche ungemütlich. 1931 war der Anteil der deutschen Bevölkerung auf 16% gesunken. Der Zweite Weltkrieg brachte die Chance zur Revanche. Sie wurde furchtbar genutzt. Überlebende wissen von einer Massenhinrichtung auf dem Alten Marktplatz zu berichten. Die deutsche Niederlage führte dann zur Gegen-Revanche.

Lange Zeit sprachen Polen nur über die Untaten der Deutschen, Deutsche nur von jenen der Polen. Heute, endlich, ist es möglich, miteinander zu reden. Und Deutsche sind in Bromberg wieder willkommen.

Eine überwältigende Mehrheit seiner Landsleute hielt bis zum Zusammenbruch des Ostblocks eine Aussöhnung mit den Deutschen für unmöglich, erinnert sich Marek Borowski, der Marschall des Sejm. Heute seien mehr als 70% der Polen davon überzeugt, dass sie mit den deutschen Nachbarn gut zusammenleben können, unter Europas Dach.

Einer, der das nicht glaubt, ist Tadeusz Rydzyk, ein Pater und Propagandist aus Thorn. Über seinen Sender Radio Maryja verbreitet er unablässig anti-deutsche Parolen, getarnt als anti-europäische. Vor allem hetzt er Polen auf, die von der Landwirtschaft leben. Aber auch Bürger Warschaus ließ er glauben, im Bündnis mit der rechten Liga der Polnischen Familien (LPR), deutsche Unternehmen wie RWE aus Essen wollten nun nachholen, was Hitlers Wehrmacht verwehrt blieb: die dauerhafte Eroberung Polens. Nur weil RWE Warschau mit Strom versorgen will. Bei den Regionalwahlen im Herbst stieg der Stimmenanteil der Liga von 8 auf 14%. Borowski - "Wir brauchen mehr Treffen, Begegnungen, Diskussionen!" - sieht das mit ähnlicher Sorge wie der Papst, der jüngst versuchte, Pater Rydzyk zur Ordnung zu rufen. Johannes Paul II. warb für Europa und appellierte an seine Landsleute: Hört auf mich! Was hieß: nicht auf den Verführer aus Thorn!

In der Pfarrkirche von Bromberg gilt das Wort des Papstes offensichtlich mehr als das des Hetzers Rydzyk. Dort liegen Faltblätter aus und informieren über die 500-jährige Geschichte des prächtig ausgeschmückten Ziegelbaus. Es gibt sie in polnischer Sprache und in deutscher auch. Als wäre das hier selbstverständlich.

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